






Kräuter gegen Pfunde
und Falten
Die Traditionelle
Chinesische Medizin vertraut auf uralte Schönheitsrezepte
Wahre Schönheit kommt von
innen - daran glaubten chinesische Kaiserinnen und Konkubinen schon vor
3000 Jahren. Auch heute noch hat die Medizin aus dem Reich der Mitte mit
Kräutern, Akupunktur und Co. Mittel für ein strahlendes Aussehen zu
bieten.
VON CAROLA SCHÖNDUBE
"Schönheit ist die kleine
Schwester der Gesundheit" lautet ein chinesisches Sprichwort - und die
ist nach der Philosophie der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)
ebenso wie die Kunst des Heilens eine Frage der Balance, genauer gesagt
des harmonischen Gleichgewichts der Gegensätze: zwischen Yin und Yang,
den sich ergänzenden Urkräften, die die Lebensenergie Qi (auch Chi)
bilden, und zwischen den fünf Elementen, denen Organe, Gefühle,
Nahrungsmittel, Geschmacksrichtungen und die Jahreszeiten zugeordnet
werden: So sind Nieren und Blase mit dem Wasserelement verbunden, Lunge
und Dickdarm mit Metall, Herz und Dünndarm mit Feuer, Milz und Magen mit
Erde, Leber und Galle mit Holz. Qi gilt in China als Quelle von
Gesundheit und Schönheit.
Jeder Mensch verfügt von
Geburt an über ein bestimmtes Depot an Lebenskraft, die im Laufe des
Lebens verbraucht wird. Wie langsam oder schnell sie versiegt, hängt
nicht nur von den Genen, sondern in großem Maße von unserem Lebensstil -
vor allem gesunder Kost, ausreichend Bewegung, Entspannung und Schlaf -
ab. Fließt Qi ungestört und harmonisch durch die Energiebahnen in
unserem Körper ("Meridiane") in alle Organe und Zellen, sind wir gesund,
attraktiv und vital.
Ein Übermaß an Qi (Fülle)
kann nach chinesischer Vorstellung ebenso wie blockierte oder fehlende
Energie (Leere) Krankheiten und Schönheitsprobleme auslösen. Bei einem
Mangel an Qi fühlt man sich müde und ausgelaugt, der Stoffwechsel ist
gestört, die Haut wird nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt und
schlecht durchblutet. Dadurch trocknet die Haut aus, es bilden sich
frühzeitig Falten, die Nägel werden brüchig, die Haare grau oder fallen
aus. Zu viel Qi führt zur Bildung von Schleim und Schlacken im Gewebe -
die sichtbaren Folgen sind Fett- und Wassereinlagerungen im Gewebe,
Übergewicht, Pigmentflecken und Orangenhaut.
Mit einer ausführlichen
Befragung, Zungen- und Pulsdiagnose - die Chinesen unterscheiden 28
pathologische Pulse - versucht die TCM der fehlenden Balance auf die
Spur zu kommen und die Selbstheilungskräfte des Organismus anzuregen.
"Im Gegensatz zu Kosmetik und Dermatologie betrachtet TCM nicht nur die
Oberfläche der Haut, sondern sie geht davon aus, dass hinter jedem
äußeren Schönheitsproblem tiefer liegende gesundheitliche Störungen
stecken", erläutert die
Heilpraktikerin Baolian Han-Seidel das Geheimnis der ältesten
Heilkunde der Welt.
Mit Kräutern und Akupunktur
statt Skalpell, Tuina-Massage und Qigong statt Botox wird entweder ein
Zuviel an Qi abgeleitet oder aber fehlendes Qi zugeführt, um das
Ungleichgewicht wieder ins Lot zu bringen. Mit diesen uralten
Schönheitsrezepturen haben schon vor 3000 Jahren Kaiserinnen und
Konkubinen ihr Aussehen gepflegt.
Beispiel abnehmen: Hinter
Gewichtsproblemen kann sowohl eine Fülle als auch eine Leere stecken.
Akupunktur und Kräuter regen die für den Stoffwechsel zuständigen Organe
an, um Verdauung und Stoffwechsel anzukurbeln, Schleim und Schlacken wie
auch Cholesterin abzubauen. "Durch bestimmte Akupunktur- und
Akupressurpunkte kann zudem das Hungergefühl gedämpft werden.
Wasserablagerungen werden direkt mit Kräutern ausgeleitet; ein Tee aus
chinesischen Weißdornbeeren unterstützt die Fettverbrennung. Auch mit
speziellen Diäten kann man den Körper verjüngen", weiß
Baolian Han-Seidel, die in China TCM studiert hat, zu berichten.
Werden Zellen und Gewebe wieder besser ernährt und durchblutet, können
sie sich regenerieren. Die Haut wird geschmeidiger, kleine Falten
verschwinden, Nägel und Haare wachsen wieder.
Beispiel Facelifting: Auch
hier kann die Kombination aus Kräutern und Akupunktur für sichtbare
Verjüngungseffekte sorgen - schmerzlos, ohne Nebenwirkungen und billiger
als eine plastische OP mit Skalpell. Wenn Stoffwechsel und Durchblutung
der Haut von innen verbessert werden, wird wieder vermehrt Kollagen
produziert - mit sichtbaren Folgen: die Falten werden kleiner, die Poren
feiner, die Haut zart und elastisch, die Gesichtszüge entspannter.
Schönheitspflege ist nach
chinesischer Auffassung vor allem eine Frage gesunder Ernährung - und
zwar ganzheitlich und makrobiotisch nach der so genannten
5-Elemente-Lehre. Nahrungsmittel gelten im Reich der Mitte als Arzneien,
mit denen Qi harmonisiert und der Organismus entschlackt und entsäuert
werden kann. Zur richtigen Zeit genau das zu essen, was der Körper
braucht, und dabei das rechte Maß zu finden, das funktioniert nach einem
ausgetüftelten System, das Lebensmittel nach Energie, Geschmack und
Organbezug einordnet. Die ärgsten Übeltäter, die zu Übersäuerung und
Verschlackung führen, sind übrigens, ähnlich wie es auch die
Schuldmedizin sieht, zu viel Fleisch, Süßwaren und Fette, Kaffee und
Nikotin.
Bei den meisten
Schönheitsproblemen herrscht nicht nur in einem Organ eine
behandlungsbedürftige Disharmonie. Häufig ist die Milz betroffen, die
für die Bildung und den Transport von Qi, Blut und Körperflüssigkeiten
zuständig ist. Durch die Stärkung der Milz würden Stoffwechsel und
Blutzirkulation angekurbelt, damit Schlacken und Schleim besser abgebaut
werden können, so Baolian
Han-Seidel. Und das zeige verblüffende positive Effekte bei
Altersflecken und Cellulite, Besenreisern und Krampfadern.
Zu den unverzichtbaren
Schönheitselixieren gehört für Chinesen auch eine gehörige Portion
Eigeninitiative: Bewegung, wenn möglich an der frischen Luft und
besonders Qigong, eine Art bewegte Meditation aus langsamen, fließenden
Körper- und Atemübungen, was, wissenschaftlich abgesichert, viele
positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat.
Aus: Kölner Stadtanzeiger, Nr. 146 v. 27. Juni 2005, S. 32